Imke Duplitzer

Psychologin,

*07-28-1975

Könnte schlimmer kommen!

Wer bist du und was machst du?

Ich war 25 Jahre Leistungssportlerin in der Sportart Degen-Fechten. Ich habe während meiner Karriere Sport und Psychologie studiert und bin heute in Training, Coaching und Beratung tätig.

Meine Spezialgebiete sind Verbesserung der psychischen und physischen Lebensqualität und erfolgreiches Altern. Außerdem berate ich Firmen zu betrieblichem Gesundheitsmanagement aus ganzheitlicher Perspektive.

Wie sieht deine persönliche Erfahrung mit Diskriminierung und Ausgrenzung aus?

Da ich im Leistungssport in den letzten acht Jahren meiner Karriere in einem extrem toxischen Arbeitsumfeld gelebt habe, gehörten Diskriminierung und Mobbing leider zu meinen täglichen Erlebnissen. Trainer und Funktionäre, die ihrem Beruf und ihrer Funktion nicht gewachsen waren, setzten Ausgrenzung und Rufmord als Mittel ein, um ihre eigenen Defizite und die ihrer Schülerinnen zu verbergen.

In diesen acht Jahren habe ich alles erlebt. Diskriminierung auf Grund meiner sexuellen Orientierung, die ich nicht gewillt war, zu verbergen oder in den letzten vier Jahren auf Grund meines Alters. Mein Verband entzog mir als eine der führenden Fechterinnen in Deutschland meinen Förderstatus, mit der Begründung, man wolle jüngeren Fechterinnen eine Chance geben. Hier spiegelt sich ganz klar nicht der Leistungsgedanke wieder, sondern mein Alter wurde als weitere Möglichkeit genutzt, um mich quasi „legal zu entsorgen“.

Wie hast du dich davon befreit?

Zunächst ist es wirklich schwer, als betroffene Person IN einem System Hilfe zu erhalten. Darum ist es extrem wichtig, sich Hilfe und sogar professionelle Hilfe von Außerhalb zu holen. Es ist keine Schande oder Schwäche, wenn man erkennt, dass man in einem System systematisch zerstört werden soll, denn auf nichts anderes zielen diese Verhaltensweisen ab. Man muss sich vor Augen führen, dass Personen, die diese Verhaltensweisen an den Tag legen, dies tun, da sie meistens weder auf inhaltlicher, noch auf persönlicher oder charakterlicher Ebene irgendwelche echten Kompetenzen aufweisen.

Machiavelli beschrieb dies bereits in dem ihm zugesprochenen Motto: „Teile – und herrsche!“ Wenn man es schafft, Personengruppen gegeneinander auszuspielen, sind sie leichter zu führen, da sie sich hauptsächlich mit sich selber beschäftigen aber nicht mit Inhalten oder Ergebnissen. Darum sind Teams, in denen Mobbing und Diskriminierung an der Tagesordnung sind, auch höchst unproduktiv.

Es ist wichtig, zu erkennen, dass Gespräche und eigene Lösungsansätze von diesen Personen nicht gewollt werden. Zumal man als betroffene Person ja meistens aus einer Abhängigkeit heraus agieren muss.

Es ist wichtig, sich aus dieser Abhängigkeit zu lösen. Der erste Schritt dazu ist es, sich Hilfe von Außen zu holen. Es gibt Anlaufstellen, die auf die Beratung von Mobbingopfern spezialisiert sind, an die man sich (auch unentgeltlich) wenden kann. Hier bekommt man Hilfe und konkrete Anleitungen, wie man sich aus der Abhängigkeit befreien kann.

Häufig ist es von großer Bedeutung, sich mit den persönlichen Ängsten zu konfrontieren und sich emotional von diesen und dem*der Aggressor:in zu distanzieren. Dazu gehört es, sich vor Augen zu führen, mit welchen Mechanismen der*die Aggressor:in es schafft, einen zu verletzen und zu entwerten.

Am Ende dieser Kette steht nicht selten der Wechsel des Arbeitsplatzes oder des sozialen Umfeldes, in dem man diesem zerstörerischen Verhalten ausgesetzt ist. Dabei ist es wichtig, für sich selber zu erkennen, dass man nicht als „Verlierer“ geht, sondern, dass man eine Umgebung verlässt, die nicht auf das persönliche Wachstum und Wohlergehen von Menschen ausgerichtet ist.

Was ist deine Inspiration, die du gern teilen möchtest?

Sorgt dafür, dass Menschen, die euch nicht gut tun, aus eurem Leben verschwinden. Selbst, wenn das bedeutet, dass der Freundeskreis kleiner wird oder man den Arbeitsplatz wechseln muss. Schaut nach vorne und sucht positive Personen, die dafür sorgen, dass es euch gut geht und ihr eure Persönlichkeit entfalten könnt.

Wo ist dein Lieblingsort auf dieser Welt und warum?

Das Meer. Es bedeckt den größten Teil dieses Planeten, aber man weiß viel zu wenig darüber. Als Taucherin und Tauchlehrerin sieht man unter Wasser sehr schnell die wahren Qualitäten einer Person. Man befindet sich in einem einzigartigen und faszinierenden, aber doch für uns eigentlich lebensfeindlichen Umfeld. Man muss wissen, was man tut, die Grenzen von sich und anderen kennen und respektieren und man muss aufeinander aufpassen.

Die Regeln sind einfach zu verstehen und hin und wieder erfordert es eine ganze Menge innerer Größe und Charakter, um seinen eigenen Spaß hinten anzustellen, weil die Tauchpartner:innen nicht über die Fähigkeiten verfügen würden, um z.B. einen Strömungstauchgang an einem gefährlichen Außenriff unbeschadet zu überstehen. Dann sucht man halt einen anderen Tauchgang aus, bei dem alle Spaß haben und vielleicht im Rahmen ihrer Grenzen noch was Spannendes lernen.

Was war der lustigste Moment in deinem Leben?

Jeder lustige Moment hat seine eigenen kleinen Besonderheiten. Da möchte ich keine Hitliste erstellen.

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